Schlagwort-Archive: Leseabenteuer

Verflixt und zugenäht: „La costura“ von Isol

Der argentinischen Autorin und Illustratorin Marisol Misenta, kurz: Isol, folge ich seit 2013, als sie bei ihrer Reise zur Verleihung des Astrid Lindgren Memorial Award in Stockholm die IJB in München besucht hatte. So erfuhr ich auch jetzt von ihrem neuen Buch „La costura“. Der Inhalt des Buches – soweit ich die Ankündigungen auf Spanisch verstand – machte mich neugierig: Entstanden sei „La costura“ („Nähen“) nach einer Reise Isols nach Palästina und es handle vom Wechsel zwischen verschiedenen Kulturen. Ein Buch über Nähen in verschiedenen Kulturen – so meine Erwartung. Als ich das Buch endlich in meinen Händen hielt, entdeckte ich eine wunderbare Geschichte über zwei Seiten ein- und desselben bestickten Tuches …

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Ein Knopf, ein Tropf im Mumintal: Knyttet, Toffle, Toffel – Knütt

Eine Tasse, die neugierig macht und mich an das Buch erinnert, das mir früher schon aufgefallen war: „Vem ska trösta Knyttet?“ von Tove Jansson – eine Geschichte aus dem Mumintal mit menschenähnlichen Figuren als Hauptperson.

Die Suche nach einer deutschsprachigen Ausgabe des Buches gestaltet sich als schwierig: Schnell finde ich die englische Version: „Who Will Comfort Toffle?”, dann die (vergriffene) Ausgabe von 2009 „Wer tröstet Toffel? Ein Märchen aus dem Mumintal“. Die unterschiedlichen Namen der Hauptfiguren erschweren die Suche: Heißt die Hauptperson nun „Knytt“ (bzw. „knyttet“), Lillan“, „Toffle“ oder „Toffel“ – oder „Knütt“? Tatsächlich gibt es seit 2017 eine gut lesbare Version im Arena Verlag, übersetzt von Birgitta Kichererm mit dem Titel: „Die Mumins. Knütt findet einen Freund“.

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Antworten auf die Fragen zur Chemie

Über einen ehemaligen Kommilitonen der Universität Konstanz wurde das Rätsel bezüglich der Formel aus Bonnie Garmus’ Roman „Eine Frage der Chemie” gelöst.

Was stellt die Formel aus Elizabeth Zotts „Lessons in Chemistry“ dar?

Der frühere Kommilitone und heutige Chemie-Professor schickte mir folgende Nachricht mit Verweis auf die Unterstützung durch Dr. Elke Fritz-Langhals, TU München.

Bei der Formel handelt es sich um ein Peptid, das folgende Sequenz beginnend vom N-terminalen Ende: Cys-Tyr-Ile-Gln-Asn-Cys-Pro-Leu-Gly-NH2 enthält.
Es handelt sich dabei um Oxytocin, ein Hormon siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Oxytocin.
Da es möglicherwiese in dem Roman über Frauen in der Wissenschaft geht, spielt das Hormon evtl eine ganz besondere Rolle in dem Roman. Ich musste mir selbst Hilfe holen, um die Formel zu identifizieren.

(TF per Mail am 6.6.2022)

Meine Kollegin aus dem Wissenschaftslektorat hat daraufhin folgendes ergänzt:

Das ist ja wirklich toll. Auf Oxytocin bin ich nicht gekommen, obwohl ein geburtsauslösendes und -beschleunigendes Hormon sehr gut passt.
Isolation, Synthese und Ersteinsatz in der Geburtshilfe von Oxytocin erfolgten zwischen 1953 bis 1960. Das kommt hin.

Jetzt haben wir doch des Rätsels Lösung.

(BF per Mail am 6.6.2022)

Wer mag, kann nun gerne weitere Informationen sammeln zu dem als „Kuschelhormon“, „Bindungshormon“ oder „Hormon der Nähe“ bezeichneten Oxytocin – oder „Eine Frage der Chemie“ nochmal lesen.

Noch ein Nachtrag:
Herzlichen Dank an Frau Dr. Elke Fritz-Langhals, die, von der organischen Chemie her kommend, die Formel für uns entschlüsselt hat, und an Herrn Prof. Dr. Thomas Fässler, der die Frage aufgegriffen und den Kontakt zu Frau Fritz-Langhals hergestellt hatte.

Lesung im Literaturhaus München am 1. Juni 2022 mit Bonnie Garmus und Felicitas von Lovenberg (Moderation) und Katharina Bach (Münchner Kammerspiele)


Fragen zur Chemie, mit Kaffeeglück und Bleistift

Wieder einmal war ich mittels Lesen auf einer Reise: durch Raum und Zeit, in die Wissenschaft und Kulinarik, verbunden mit verschiedenen Begegnungen. Konkret ging die Reise nach Kalifornien, in die 50er- und 60er-Jahre, in die Chemie, zu Freundinnen aus Studium, Beruf und Tanz, und schließlich zum Kaffeetrinken in die Küche. Motor der Reise war der gerade erschienene und hochgelobte Roman von Bonnie Garmus: „Eine Frage der Chemie“ („Lessons in Chemistry“).

Ich muss sie nicht selbst formulieren, die Lobesreden auf diesen Roman: Er ist ein „hellsichtiger Gesellschaftsroman“ (Deutschlandfunk Kultur am 22.4.2022), ein „rührender Roman über eine starke Frau“ (NDR Kultur am 5.4.2022), ein „großer, kluger literarischer Spaß – und ein anrührenden Familienroman“ (Denis Scheck am 22.05.2022). Ich beschreibe hier lieber meine eigenen Erfahrungen mit dem Buch, das Besondere, das ich mit diesem Buch erlebt und entdeckt habe.

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Anders und doch gemeinsam oder: „Eule Elli und die Sache mit dem Mond“

2019 erschien das erste Buch mit Eule Elli, die an Tagen „mit strahlend hellem Sonnenlicht“ Freunde gesucht hat und nach erfolgloser Suche bei Nacht im tiefen Wald in Thea Fledermaus eine Freundin findet, eine Freundin, um zu „springen, tanzen, lachen, Stöckchen fangen, Blödsinn machen“. Dass sie beide tagsüber müde und nachts wach sind, war Grundlage ihrer Freundschaft. Seit August 2021 gibt es nun ein neues Buch mit Elli und Thea, doch statt der Gemeinsamkeit der Freundinnen geht es im neuen Buch um das Trennende, um widersprüchliche Sichtweisen, um Streit und um die Suche nach der richtigen Wahrheit.

Das neue Kinderbuch von Autor Georg Vollmer mit den Illustrationen von Pina Gertenbach aus dem Magellanverlag in Bamberg hat mich immer wieder zum Nachdenken gebracht, zum Nachdenken über das Trennende zwischen bisher guten Freunden, die einander plötzlich ablehnen, weil der bzw. die andere einer „falschen“ Meinung, einem „falschen“ Glauben anhängt.

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„Was mein Herz anrührt und es höher schlagen lässt“– auf den Spuren der japanischen Hofdame Sei Shōnagon

Heute möchte ich dir, liebe Freundin, zwei Bücher ans Herz legen – zwei Bücher, die sich, wie ich denke, bestens für deine Lesegruppe eignen. Wie sehr beneide ich dich doch um diesen Kreis und wie gerne würde ich die beiden Werke und ihre Schriftstellerinnen vorstellen und erfahren, welche Gedanken ihr beim Lesen dieser Werke habt, nämlich:

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Der schönste Rock, das schönste Kinderbuch – mein Tipp zum Indiebookday 2021

Vor ein paar Wochen habe ich es in meinem Buchladen gekauft, es sofort gelesen und mich daran erfreut. Seitdem liegt es bereit als mein Indiebook für den Indiebookday am 20. März 2021, „aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag“: „Der schönste Rock der Welt“, ein Kinderbuch ab 4 Jahren von Kertu Sillaste.

„Einst lebte im hohen Norden ein Mädchen namens Marie. Sie nähte für ihre Schwester den schönsten Rock der Welt, rot und reich mit Blumenmustern bestickt …“

„Der schönste Rock der Welt“, ein Kinderbuch ab 4 Jahren von Kertu Sillaste; aus dem Estnischen übersetzt von Carsten Wilms; Kullerkupp Kinderbuchverlag Berlin; ISBN 978-3-947079-10-0
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Neu entdeckt: Biff à la Lindström auf Ebba Mattssons Art

Da lernt man nun seit Jahren Schwedisch, feiert Midsommar und Jul mit schwedischen Spezialitäten, u. a. mit köttbullar und Janssons frestelse … und hört plötzlich von einem Gericht, das – wie zu erfahren ist – zu den Klassikern unter den schwedischen Gerichten gehört: Biff à la Lindström. Den Hinweis auf dieses Gericht fand ich – genauer: mein Liebster – im Buch des aus Hamburg stammenden Kochbuchautors Stevan Paul.

In den Kurzgeschichten von Stevan Pauls Buch „Schlaraffenland“ von 2012 im mairisch verlag geht es letztendlich immer um ein besonderes Gericht geht. Das liest sich so …  

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Mein Gotland oder: Ein sehr großes Konzert

Ich habe mir ein Reisebuch gekauft, in dieser Zeit, in der reisen unmöglich erscheint. Und dann ausgerechnet ein Buch über Gotland, gut 2000 km von meinem Zughause?! Das Buch lag so verlockend im Buchladen – unerwartet, ungeplant, ohne vorherige Empfehlung: „Mein Gotland – Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit“ von Anne von Canal, im Hamburger mareverlag gerade erschienen. Natürlich hat mich der Titel gelockt, aber auch die Aufmachung: klein und angenehm in der Hand liegend, auf dem Umschlag schön gezeichnete Versteinerungen und mit einem Lesebändchen versehen.

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