Suche Frieden …

War da etwas? War hier nicht vor gerade noch jubelnder Gesang? Wurde hier nicht vor Kurzem erst gesungen: „Herbei, oh ihr Gläubigen“?! Ein fast leerer Stall, in der Futterkrippe Stroh, dazu zwei Kühe  – alle anderen ziehen davon: zuerst die Hirten mit ihren Schafen, dann die Weisen mit ihren Kamelen, und schließlich Maria und Josef mit dem Esel, der das Neugeborene trägt. Nichts bleibt. Nichts bleibt?

Ein neues Jahr beginnt, und mit dem neuen Jahr bekommen wir eine neue Jahreslosung. Um „Frieden“ geht es darin. Frieden? Ja, Frieden!

Frieden, das kennen wir doch, wir haben immer wieder davon gesungen:

… auf Latein: „Dona nobis pacem, pacem“ (EKG 435),
… auf Hebräisch: „Hevenu  schalom alejchem“ (EKG 433)
… und auf Deutsch: „Herr, gib uns deinen Frieden …“ (EKG 436).

Pax, Schalom, Frieden – Frieden, der uns von oben geschenkt wird oder den wir anderen bringen, den wir austeilen. Wie Weihnachtsplätzchen?

Wir lesen den Psalm, in dem die Worte der neuen Jahreslosung stehen, Psalm 34, verkürzt  auf die Strophen 1, 2, 4, 5, 8, 9, 12, 14 und schließlich 15:

Psalm 34, 15: Suche Frieden und jage ihm nach!

Das klingt anders als die vorher gesungenen Lieder, bei denen wird dasitzen und Frieden erbitten, von Gott oder von Vorbeikommenden. Was ist denn so anders an diesen Worten: „Suche Frieden … “?

Frieden … – dazu muss ich eine Idee, eine Vorstellung von „Frieden“ haben, ich muss merken, dass mir Frieden fehlt, dass ich ihn vermisse, dass ich, dass wir ihn verloren haben. Und ich muss den Wunsch haben, ihm wieder nahe zu sein.

Suche Frieden … – dazu muss ich mir Gedanken machen und mich fragen: „Wie sieht Frieden aus, wie fühlt sich Frieden an? Woran erkenne ich Frieden?“ Ich schlage das Wort „Schalom“ nach und erfahre: „Schalom“ umfasst neben „Frieden“ auch Begriffe wie „Wohl“, „Wohlergehen“, „Unversehrtheit“. Ich überlege: „Wann fühle ich mich wohl, wann fühlen wir uns wohl, wann fühlen sich meine Mitmenschen wohl, unversehrt – in Frieden?“ Vielleicht so:

… allein in der Natur, Stille um mich, Ruhe, Nicht-Krieg,
… aufeinander zugehen, sich die Hand reichen,
… einander umarmen, sich selbst umarmen …

Suche Frieden …– dazu muss ich erst mal aufstehen, mich aus meinem bequemen Stuhl erheben, vor meine Haustür treten, mich umschauen. Schauen, wer außer mir noch da ist. Schauen, wo der Frieden sein könnte, wo er sich vielleicht hin verkrochen hat. Vielleicht muss ich mich bei der Suche nach Frieden niederknien oder auf einen Stuhl stiegen oder sonst ungewohnte Bewegungen machen, um den Frieden auch wirklich überall zu suchen und ihn nicht zu übersehen.

Welche Bilder fallen mir zum Wort „nachjagen“ ein, dem Wort, an dem sich manche, die über die neue Jahreslosung predigen, reiben?
jagen, verfolgen, nachfolgen – erlegen …?
Oder aber:
… mit all meiner Kraft an der Suche dran bleiben und nicht ablassen, das Gesuchte wirklich finden wollen …?

Nun also so:

  • Suche den Frieden – den Frieden mit dir selbst, mit deinen Mitmenschen, mit deiner Umwelt, …
  • Rück’ dazu auch mal ab von deiner gewohnten Position! Steh auf, schau dich um, nimm deine Umgebung wahr!
  • Lass nicht ab davon, bleib dran an deiner Suche, setz’ dich ein. Tu’ etwas!

Was aber mache ich, wenn ich den Frieden entdecke, mich ihm nähere?
… den Frieden umzingeln, einfangen, fesseln, festbinden, einsperren
Oder:
… den Frieden freundlich und zärtlich begrüßen, ihn heranlocken, ihm einen Platz bei mir anbieten, damit er sich bei mir wohl fühlt, sich bei mir einnistet …

Frieden finden ist ja viel schwieriger als Frieden suchen und ihm nachjagen!

Ich male mir ein Bild von „Frieden“ – ein Bild, das mich  im neuen  Jahr an meinen Wunsch nach Frieden erinnern wird, damit ich mich immer wieder neu auf den Weg mache und ihn mit all meiner Energie suche.
Frieden – welche Symbole und Bilder sehe ich vor mir?

… zwei Hände, die sich festhalten,
… eine Umarmung mit jemandem anderen,

… eine Umarmung mit mir selbst,
… ein ruhiger See, ein Weg im Wald 

… eine Taube …

Und ich sehe und höre die Frauen der Women Wage Peace-Bewegung auf ihrem Weg



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