Stet - daconic Proofreader und websters

Stet, es bleibt! Oder: Magic für Lektorinnen und Redakteure, für Katzen, Drachen und Bürokraten

Habt ihr auch Freunde oder Verwandte, die sich für „MTG – MAGIC: THE GATHERING“ – begeistern? Dieses Fantasy-Kartenspiel, das 1993 bei Wizards of the Coast erschienen ist?!

„Magic: The Gathering“ ist das erste und bekannteste Sammelkartenspiel der Welt, das im Jahr 1993 von Richard Garfield erschaffen wurde. Zwei oder mehr Spieler schlüpfen in die Rolle mächtiger Magier, die sich duellieren, indem sie Zaubersprüche wirken, Kreaturen beschwören und Artefakte einsetzen. Ziel des Spiels ist es, die Lebenspunkte des Gegners mithilfe eines individuell zusammengestellten Decks auf 0 zu reduzieren.

Dann kennt ihr das ja: Plötzlich macht sich beim Gespräch in der Küche oder im Wohnzimmer eine ganz neue Welt breit, mit einer ganz eigenen Sprache: „mana“, „combat“, „attack“, „exciled“, „damage“… Sicher habt ihr dann auch schon mal die eine oder andere Magic-Karte in der Hand gehabt.

Als ich, Nicht-Magic-Spielerin, eine Karte (nein, sogar zwei Karten) geschenkt bekam, wurde ich neugierig, denn die Karte hat einen Bezug zu meiner Arbeit als Lektorin/Redakteurin: die Karte „Stet, Draconic Proofreader“.

„Stet, Draconic Proofreader“? Das will die Lektorin dann doch genauer wissen:

Was hat der Name „Stet“ mit „Proofreading“ zu tun,
mit Korrektorat, Lektorat oder Redaktion?

Schnell entdeckt sie, die Lektorin, dass es sich um ein besonderes Korrekturzeichen handeln soll. Bei den im Deutschen üblicherweise verwendeten Korrekturzeichen, wie sie u.a. im Duden aufgeführt sind, wird sie nicht fündig, und auch in anderen Nachschlagewerken oder im Internet findet sie„Stet“ nicht direkt.

Korrekturzeichen „stet“

Endlich in „Webster’s New World Dictionary“, Second College Edition, Ausgabe von 1980, S. 1397:

stet (stet) [L., 3d pers. sing., pres. subj., of stare, to STAND] let it stand: a printer’s term used to indicate that matter previously marked for deletion is to remain – vt. stet’ted, stet’ting to cancel a change in or a marked deletion of (a word, character, passage, etc., as in a proof or manuscript), as by writing „stet“ in the margin


„Webster’s New World Dictionary“, Second College Edition, 1980, S. 1397 und 1687:
Proofreaders’ marks and samle copy

Und auch im Internet, bei Wikipedia.

Stet is a Latin word (meaning “let it stand”) used in proofreading to indicate that a previously marked change is to be ignored.

stet (plural stets)
a symbol used by proofreaders and typesetters to indicate that a word or phrase that was crossed out or changed should remain as it was. ((…))
Usually used by writing and circling the word stet above or beside the unwanted edit and underscoring the selection with dashes or dots. Alternatively, a circled checkmark may be used in the margin.

single dashed underline for stet, ‘let it stand’, proof-reading mark cancelled. The margin note stet / may be added.

https://en.wikipedia.org/wiki/Stet (abgerufen 2026-08-15)
https://en.wiktionary.org/wiki/stet#English (abgerufen 2026-08-15)
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_proofreader’s_marks (abgerufen 2026-08-15)

Aha: „stet“ entspricht dem deutschen Korrekturzeichen für „Korrektur rückgängig machen“, wie es im Duden oder auch im „Handbuch Korrekturlesen“ von Johannes Sailler beschrieben ist:

Fälschlicherweise durchgeführte Korrekturen werden rückgängig gemacht, indem man im Text die entsprechende Stelle unterpunktet und die Korrektur am Rand durchstreicht.

Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 29., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben von der Dudenredaktion, Duden Band 1. 2024, S. 170.
Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 29., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage.
Herausgegeben von der Dudenredaktion, Duden Band 1. 2024, S. 170.

Korrekturen können aufgehoben werden, indem irrtümlich Korrigiertes im Text durch Unterpunktierung gekennzeichnet und die Korrektur auf dem Korrekturrand durchgestrichen wird.

Johannes Sailler: Handbuch Korrekturlesen. BoD – Books on Demand, Norderstedt. 2017. S. 115.
Sailler, Johannes: Handbuch Korrekturlesen. BoD – Books on Demand, Norderstedt. 2017. S. 115.

Kurz:

„stet“: „Es bleibt, wie’s war“.
Im deutschen Gebrauch ist das Zeichen für Rückgängigmachen einer Korrektur die Pünktchen („Unterpunktierung“) unter einer mit Korrektur versehenen Stelle, um anzuzeigen, dass der ursprünglich geschriebene Text stehen bleiben soll. Nebenbei: Sailler 2017, S. 115 nennt „gilt!“ in Doppelklammer als Möglichkeit, eine zurückgenommene Korrektur doch wieder wirksam zu machen.

Alles klar! Dann schnell wieder zu MAGIC mit der Frage:

Gibt es da noch mehr Karten rund ums Büchermachen?

Magic rund um Büchermachen und Bücherwesen

O ja – der Liebste schickt mir Links zum „frazzled Editer/Editor“ (Human Bureaucrat; The pen is mightier than the sword.) und zu „Denry Klin, Chefredakteur“ (Editor in Chief).

Wichtig bei MAGIC sind die „Artworks“ der Karten. Schau dir die Karten an:

Der Chefredakteur als Katze, der Editor als überarbeiteter Beamter und der Proofreader als ein um sich schlagender, brüllender Drache mit scharfen Zähnen, vor dem die Mäuse fliehen.

(c) MAGIC: THE GATHERING, https://gatherer.wizards.com/

Und schließlich gibt es Karten mit Büchermenschen, einer Bibliothek und mit vielen Büchern zu entdecken:

  • den Bücherverschlinger / voracious reader:
    Bei einem guten Buch lässt man sich jedes Wort auf der Zunge zergehen.
  • Unter Büchern begraben / bury in books:
    Im Biblioplex sind keine Waffen erlaubt, doch ein kluger Magier ist nie wirklich wehrlos.
  • ein Bücherschloss und Halle: Biblioplex und Große Halle des Biblioplex
  • einen Biblioplex-Bibliothekar / tomekeeper:
    Die Leihfristen sind nicht verhandelbar und werden streng durchgesetzt.
  • und einen Biblioplex Assistenten:
    „Ich bin dankbar für die Hilfe, und, um ehrlich zu sein, es ist sehr unterhaltsam.” —Isabough vom Biblioplex
  • Beim Zauberbuch des Magiers kann man stutzig werden:
    Copy that card. You may cast the copy.
    Kopiere die Karte. Du kannst die Kopie wirken.

    „… wirkt“ – nun gut, das bedeutet wohl: „Du kannst die Karte wirken lassen“

Schließlich stößt man auf eine der ersten Buch-Karten von MAGIC:
Jayemdae Tome bzw. Ketos’ Zauberbuch:
Ein wahrer Autor widmet sein ganzes Leben der Schöpfung eines einzigen Buches, eines Meisterwerks, das so einzigartig ist wie sein Erschaffer.
“Knowledge is power.” —Sir Francis Bacon, Meditationes Sacrae

Echte MAGIC-Spieler hätten jetzt längst schon ein passendes Deck zusammengestellt und sich mit anderen Spielern verabredet. Sorry – ist nicht mein Fall.

Kennt ihr ein Spiel, in dem eine Lektorin, ein Redakteur, eine Autorin vorkommen? Wie sehen die Figuren dort aus: als Katze, Drachen oder Beamter? Welcher Figur fühlt ihr euch am Nächsten?

Zum Schluss: die Herdenflüsterin

Dank dir, Stefan, für Miriam, die Herdenflüsterin:
„Alles, was bereit ist, dein Gewicht zu tragen und dir einen Fußmarsch durch den heißen Sand zu ersparen, verdient Respekt. Also zeig ihn.”

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