{"id":526,"date":"2016-11-25T09:46:23","date_gmt":"2016-11-25T09:46:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ichtich.de\/?p=526"},"modified":"2025-05-03T10:24:11","modified_gmt":"2025-05-03T10:24:11","slug":"reife-und-eifer-kirche-zwischen-mission-und-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ichtich.de\/?p=526","title":{"rendered":"Reife und Eifer \u2013 Kirche zwischen Mission und Museum"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ein Gottesdienst in vertrauter Umgebung: Vor 60 Jahren, im Herbst 1955, wurden in der damals neu erbauten T\u00fcbinger Martinskirche die ersten Gottesdienste gehalten \u2013 meine Gro\u00dfmutter Klara war sicher dabei. Jahre sp\u00e4ter, bei einem unserer Besuche, sa\u00df ich neben ihr in dieser oval-achteckigen Kirche mit ihrer ganz besonderen Atmosph\u00e4re von Geborgensein und Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit drei Jahren besuche ich zusammen mit meiner Mutter einmal im Monat diese Kirche und sitze dort neben ihr, wie damals neben Gro\u00dfmutter Klara. Einige Gottesdienst-Besucherinnen und auch die Pfarrerin, Frau Hartmann, kennen mich schon und gr\u00fc\u00dfen mich, wenn ich mit Mutter nach dem Gottesdienst die Kirche wieder verlasse. Hier f\u00fchle ich mich meiner T\u00fcbinger Gro\u00dfmutter und meinen Eltern nahe, hier ist der (Glaubens-)Ort, an den sie mich gestellt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute, am 13. Nov. 2016, kurz nach dem Martinstag, findet hier ein besonderer Gottesdienst statt: Die koreanischen Gemeinde, die in der Martinskirche regelm\u00e4\u00dfig ihre Gottesdienste feiert, dankt der Martinsgemeinde mit einem gemeinsamen Gottesdienst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pfarrerin der Martinsgemeinde und der aus Stuttgart angereiste Pfarrer der koreanischen Gemeinde begr\u00fc\u00dfen die Besucher, es folgen bekannte Lieder, gesungen auf Deutsch und auf Koreanisch, danach der Psalm 84, schlie\u00dflich die Predigt zu Epheser 2, 19 + 20:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: left;\">\u201eWohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.\u201c (aus Psalm 84)<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; text-align: left;\">\u201eSo seid ihr nun nicht mehr G\u00e4ste und Fremdlinge, sondern Mitb\u00fcrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.\u201c (Epheser 2, 19 + 20)<\/p>\n<p>Pfarrer Kim erz\u00e4hlt zun\u00e4chst, wie es f\u00fcr ihn ist, wenn er alle zwei Jahre auf das Ausl\u00e4nderamt geht, um sein Visum zu verl\u00e4ngern: in Anzug und mit Krawatte. Dort f\u00fchlt er sich als Fremdling. Doch hier, in der Martinskirche, ist er Mitb\u00fcrger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei seinem Vergleich von deutschen und koreanischen Christen stellt Pfarrer Kim fest: Deutsche Christen leben ihren Glauben mit dem Kopf, geleitet von ihrer Vernunft. Als Beleg daf\u00fcr verweist er auf die vielen ausformulierten Gebete im evangelischen Kirchengesangbuch, auf die man in den verschiedensten Situationen des Lebens zur\u00fcckgreifen kann. Koreanische Christen dagegen leben ihren Glauben mit ihrem Herz, mit ihren Emotionen, au\u00dferdem seien sie flei\u00dfige Kirchg\u00e4nger. Verk\u00fcrzt formuliert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eDeutsche Christen sind reife Christen.\u201c<br \/>\n\u201eKoreanische Christen sind eifrige Christen.\u201c<\/p>\n<p>Pfarrer Kim beschreibt Entwicklungsstufen einer Kirche unter dem Stichwort der \u201e4 M\u201c:<\/p>\n<ul>\n<li>Am Anfang steht die frohe Botschaft und der Wunsch, hinauszugehen in die Welt und anderen Menschen die frohe Botschaft zu bringen, sie mit ihnen zu teilen: <em>Mission<\/em>.<\/li>\n<li>Dann kommt die Zeit des Dienens f\u00fcr diese Botschaft: <em>Ministry<\/em>.<\/li>\n<li>Daran schlie\u00dft sich die Zeit der Aufrechterhaltung des <em>Status quo<\/em> an, eine Zeit, in der man das Erreichte erhalten und davon nichts ver\u00e4ndern will: <em>Maintenance<\/em> (oder auch <em>Management<\/em>).<\/li>\n<li>&nbsp;Schlie\u00dflich kommt man in der Zeit an, in der die Kirche als Teil der Vergangenheit erlebt wird, als: <em>Museum<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diesem Hintergrund fragt Pfarrer Kim: In welcher Kirche leben wir, als deutsche oder als koreanische Christen? Wo stehen wir heute: Sind wir eine Maintenance-Kirche, die am <em>Status quo<\/em> festh\u00e4lt? Oder gar eine Museum-Kirche? Und: Welche Kirche w\u00fcnschen wir uns?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der von Pfarrer Kim aufgezeigte Weg von der <em>Missions-Kirche<\/em> zur <em>Museums-Kirche<\/em> macht mich nachdenklich, ebenso die Begriffe <em>Reife<\/em> und <em>Eifer<\/em>: Welche Vorteile hat Reife und welche Vorteile hat Eifer in der Kirche (oder auch in einer Beziehung)? Reife beinhaltet einen Schatz an Ressourcen, auf die man zur\u00fcckgreifen kann und die st\u00fctzen. Eifer dagegen ist voll Energie mit dem Drang nach Neuem. W\u00fcnschenswert ist es, die Reife und den Eifer so zu verbinden, dass sie sich gegenseitig erg\u00e4nzen: aufbauend auf den Sch\u00e4tzen und Erfahrungen des bereits Erlebten und voll Energie und Offenheit f\u00fcr Neues.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu dem \u2013 von Pfarrer Kim beschriebenen \u2013 vernunftgelenkten Glauben deutscher Christen erlebte ich den gemeinsamen Gottesdienst sehr emotional-ber\u00fchrend und voller Gef\u00fchle: beim Lesen und Singen vertrauter Texte und Lieder und beim H\u00f6ren der wunderbaren Musik des vierk\u00f6pfigen koreanischen M\u00e4nnerchores bzw. des Trios mit Klavier, Geige und Cello. In der Musik sp\u00fcre ich das Miteinander von Reife und Eifer, von sicherheitsgebender Vertrautheit und vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngender Energie.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Links:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a href=\"http:\/\/www.martinsgemeinde-tuebingen.de\/\">Martinsgemeinde T\u00fcbingen<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a href=\"http:\/\/www.martinsgemeinde-tuebingen.de\/koreanische-gemeinde\/\">Koreanische Gemeinde in der Martinskirche in T\u00fcbingen<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\">Die Gemeinde nennt sich \u201eKoreanische Evangelische Gemeinde im s\u00fcddeutschen Raum\u201c. Sie ist 1970 entstanden [\u2026]<br \/>\nAus Entfernungsgr\u00fcnden wurde die Gemeinde 1989 getrennt [\u2026].<br \/>\nSeitdem gibt es die \u201eKoreanische evangelische Gemeinde im s\u00fcddeutschen Raum\u201c mit den Gemeinden in Stuttgart, T\u00fcbingen, G\u00f6ppingen und Trossingen. Ihr geh\u00f6ren 220 Erwachsene und 50 Kinder sowie Jugendliche an.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a href=\"http:\/\/www.friedenskirche-stuttgart.de\/koreanische-gemeinde\/\">Koreanische Gemeinde in der Friedenskirche in Stuttgart<\/a><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a href=\"http:\/\/www.nambugemeinde.org\/\">Koreanische Nambu-Gemeinde<\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-787\" src=\"http:\/\/www.ichtich.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_1199-2-300x202.jpg\" alt=\"img_1199-2\" width=\"601\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/www.ichtich.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_1199-2-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.ichtich.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_1199-2-768x518.jpg 768w, https:\/\/www.ichtich.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_1199-2-1024x690.jpg 1024w, https:\/\/www.ichtich.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/IMG_1199-2-624x421.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 601px) 100vw, 601px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #808080;\">Die Martinskirche<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gottesdienst in vertrauter Umgebung: Vor 60 Jahren, im Herbst 1955, wurden in der damals neu erbauten T\u00fcbinger Martinskirche die ersten Gottesdienste gehalten \u2013 meine Gro\u00dfmutter Klara war sicher dabei. 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