Domzimmer-Milongas – Freundschaftsfeste voller kreativem Tanz

Zum Abschluss der Veranstaltungen unter dem Titel „Domzimmer-Milonga“ besuchte ich, Marie Luh, die Gastgeber dieser besonderen Veranstaltungen, um sie zu ihren Erfahrungen mit diesen Milongas zu befragen. Vorab eine Information für all die, die denken, die Veranstaltungen seien öffentliche Contango-Veranstaltungen gewesen: Nein: sie waren weder öffentlich, noch waren es typische Contango-Veranstaltungen.

Doch hören wir, was die Gastgeberin dazu zu sagen hat.

Ein Bericht der Journalistin Marie Luh*

ML:
Guten Tag! Schön, dass Sie sich zu einem Gespräch über die von Ihnen veranstalteten „Domzimmer-Milongas“ bereiterklärt haben. Wer steht eigentlich hinter den „Domzimmer-Milongas“ und was hat es mit der Veranstaltungsreihe auf sich?

MH:
Veranstalter der Reihe sind wir, Stefan H. und ich, Mirjam H. (Name der Redaktion bekannt). Wir haben mit den ersten beiden Veranstaltungen uns selbst und die persönlich von uns eingeladenen Gäste mit einem Tanzfest anlässlich unserer Geburtstage beschenkt. Die dritte Domzimmer-Milonga haben wir organisiert, um ein letztes Mal den Veit-Adam-Saal auf dem Freisinger Domberg zu nutzen, denn ab Juli sind die Räume im „Kardinal-Döpfner-Haus“ wegen umfangreicher Renovierungen nicht mehr zugänglich.

ML:
„Domzimmer-Milonga“ – was hat es mit diesem Begriff auf sich, was verbirgt sich dahinter?

MH:
Ursprünglich wollten wir unsere Geburtstagsfeste in unserem Wohnzimmer feiern und dabei tanzen. Bei der Überlegung, wen wir dazu einladen wollten, stellten wir fest, dass unser Wohnzimmer für die von uns eingeladenen Tanzfreunde nicht ausreichen würde. Daher haben wir nach einer Alternative gesucht und waren froh, als wir mit dem „Veit-Adam-Saal“ im Kardinal-Döpfner-Haus eine passende „location“ für unser privates Fest gefunden haben.

ML:
Privates Fest? Ich dachte, es handle sich hier um eine öffentliche Veranstaltungen?

MH:
Nein, es waren keine öffentlichen Veranstaltungen. Alle drei Feste waren private Feste, immer wieder hatten wir in unseren persönlichen Einladungen auf den privaten Charakter der Veranstaltung hingewiesen. Es wurde nirgendwo öffentlich zu den Veranstaltungen eingeladen, nur wer von uns eigeladen war und sich angemeldet hatte, stand auf der Gästeliste.

ML:
„Gästeliste“ – was waren das für Gäste? Wen haben Sie dazu eingeladen?

MH:
Da wir ein Tanzfest planten, haben wir Freunde eingeladen, bei denen wir annehmen konnten, dass sie Freude am Tanzen haben und dabei offen sind für kreatives Tanzen und moderne Musik.

ML:
Kreatives Tanzen? Was verstehen Sie darunter?

MH:
Nun, ich muss einschränken: Es geht uns um die Art zu tanzen, wie wir es vom Tango und vom sogenannten „Contango“ oder auch „ContactTango“ her kennen. Diese Arten zu tanzen wollten wir miteinander verbinden und haben daher zu unseren drei Festen eingeladen, um uns selbst und unsere Freunde zu beschenken.

ML:
Versteh ich das richtig: Es waren reine Contango-Veranstaltungen?

MH:
Oh nein, es waren keine „typischen“ Contango-Veranstaltungen, wie Sie sie im Münchner Veranstaltungskalender finden. Das Organisieren solcher öffentlicher Contango-Milongas überlassen wir gerne den bekannten und von uns geschätzten Contango-/ContactTango-Lehrer*innen der Münchner Tanzszene.

Etwa die Hälfte der von uns eingeladenen Gäste waren keine Contango-Tänzer, sondern Tango-Tänzer*innen bzw. Contact/Frei-Tänzer*innen, und zwar solche, die mit einer großen Offenheit sich im geschützten Raum der privaten Veranstaltung auf den Versuch einer Verbindung von Tango und Contango einlassen wollten. Allein schon aufgrund der Zusammensetzung der Gäste mit einem hohen Anteil an (Nur-)Tangotänzer*innen waren unsere Feste keine typischen Contango-Veranstaltungen.

ML:
Wie nun: Sie wollten Contango mit Tango mischen, aber höchstens die Hälfte der Gäste kannte Contango?

MH:
Genau – wir wollten Tänzer*innen, die vom Tango kamen, und Tänzer*innen, die vom Contango und vom „Contact“ her kamen, zusammenbringen. Diese Konstellation ist meines Wissens unüblich, man findet sie weder bei Tango- noch bei typischen Contango-Veranstaltungen.

Genau das war ja unser Anliegen: Wir wollten die schönen Teile, die wir vom Tango her kennen, mit den schönen Elementen des Contango und der Contact Impro zusammenbringen, in der Hoffnung, dass diese Elemente sich ergänzen und etwas Neues, Schönes daraus entsteht. Somit waren diese Feste für uns ganz klar ein Versuch, etwas Neues zu erproben.

ML:
Zu welcher Musik wurde bei diesen Festen denn getanzt?

MH:
Als DJs konnten wir Sabine RT und Stefan H (Namen der Redaktion bekannt) gewinnen, die für uns ihre persönlichen Musik-Schatzkisten öffneten. Dabei legte Sabine eher Tangomusik auf, wobei sie auf die Wünsche nach Neo- und Non-Tangos einging. Stefan war bei der Domzimmer-Milonga III zusätzlich bemüht, die Wünsche der Gastgeberin – sprich: meine Wüsche – nach einer musikalischen Weltreise zu erfüllen, was sich in seiner Wahl der Musik widerspiegelt. So finden sich unter der von ihm aufgelegten Musik neben 50 % Tango auch Musikstücke, die teilweise für Contango-Veranstaltungen typisch sind, aber auch ganz eigene Stücke sind. Auch hier ist festzustellen, dass die Musikauswahl nicht die einer typischen Contango-Veranstaltung war.

ML:
Bei Ihrer letzten Veranstaltung hattet Sie – wie ich gehört habe – Mitglieder der Münchner Contango Banda zu Gast. Die haben sicherlich Contango-Musik gespielt?!

MH:
Ich weiß nicht, was für Sie „typische Contango-Musik“ ist. Die Banda-Mitglieder haben sich bei der Wahl ihrer Stücke auf die erwarteten Tangogäste eingelassen und deshalb schwerpunktmäßig bekannte Tangostücke gespielt.

ML:
Nun gut: Wir haben den Anlass für die Feste, die Musik, die Gäste – wann und wie kamen die Gäste denn nun zum Tanzen?

MH:
Als Geschenk an uns und an unsere Gäste haben wir uns darum bemüht, Lehrer aus der Münchner Contango-Szene für ein Warmup einzuladen. Dies ist uns auch gelungen: Bei jedem der drei Feste war eine Lehrerin bzw. ein Lehrer der Münchner Contango-Szene da, um ein Warmup abzuhalten.

ML:
„Warmup“ – ist das ein Workshop? Brauchten Ihre tanzerfahrenen Gäste denn überhaupt einen „Tanz-Workshop“?

MH:
Nun ja: Alle unsere Gäste hatten einen Tanzhintergrund: freies Tanzen, Contango und Tango. Sie hatten aber keine gemeinsame „Tanz-Sprache“ – die musste erst gefunden werden. Und dies konnte nur gelingen, weil die Gäste sich auf den Versuch einließen. Daher war uns ja die Wahl der eingeladenen Gäste so wichtig: Es waren lauter Menschen, von denen wir annahmen, sie seien dazu bereit, Neues auszuprobieren, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Wobei auch klar war: Wer nicht mitmachen wollte, hatte sich erst gar nicht angemeldet bzw. wer gekommen war, konnte am Rand sitzen und zuschauen – oder auch heimgehen mit dem Wissen: „Ich habe es ausprobiert und festgestellt: Es ist nicht meins.“.

ML:
Haben sich die Gäste denn auf das Warmup und später auf den Tanz eingelassen?

MH:
Die meisten – ja. Nur ganz wenige kamen zu spät, haben das Warmup zum Großteil verpasst und haben ihr Zuspätkommen bedauert. Fast alle blieben bis zum Schluss des Tanzabends – nur wenige gingen vorzeitig. Dass die Gäste, die sich zu Beginn des Abends noch nicht kannten, so gut zueinander fanden, lag vor allem an den Warmups, die jeder der drei Lehrer auf seine Art gestaltet hatte. Allen drei gemeinsam war, dass sie mit einfachen Übungen die Gäste spielerisch an den kreativen Tanz herangeführt haben und die Tanzenden sich dabei gegenseitig kennenlernten und näherkamen.

Dazu muss ich anmerken: Die Warmups sind für mich etwas Besonderes beim Contango – das kenne ich nicht von Tango-Milongas: Durch das Warmup lässt man sich auf die anderen Tänzer*innen ein, nimmt sie wahr, durch die spielerischen Partnerwechsel beim Warmup hat man innerhalb einen halben Stunde schon mit zehn oder mehr Tänzer*innen getanzt, sodass man einander nicht mehr fremd ist und später beim Tanzen leicht aufeinander zugehen kann.

ML:
Aufeinander zugehen – hat das denn dann beim Tanzen geklappt?

MH:
Für die Leute aus dem Contact und Contango ist das Aufeinanderzugehen eh kein Probelem: Man tanzt dann, wenn man will, irgendwer findet sich immer. Strenge Aufforderregeln wie aus dem Tango gibt es hier nicht. Einige wenige unserer Tango-Gäste saßen nach dem Warmup erst noch am Rand und schauten zu – und haben schnell Einladungen zum Mittanzen erkannt und verstanden, dass sie einfach nur aufstehen und lostanzen konnten – ein gemeinsamer Tanz würde sich schon finden.

ML:
Dann war Ihr Versuch also ein Erfolg?

MH:
Ja, sicherlich! Bei unseren drei Veranstaltungen hatten wir jeweils mehr als 30 Gäste, einige von ihnen kamen zwei- oder sogar dreimal; ich nehme an, die Mehrfachgäste kamen deshalb mehrmals, weil ihnen der Tanzabend so gut gefallen hatte. Von den rund 60 Gästen, die an ein, zwei oder drei unserer Feste teilgenommen hatten, bekamen wir fast ausschließlich positive Rückmeldungen.

Größte Zufriedenheit von fast allen Teilnehmenden – darauf sind wir stolz, darüber sind wir sehr glücklich. Und das umso mehr, als wir selbst mit unseren Wohnzimmer-Milongas drei sehr schöne Feste mit kreativ tanzenden Freundinnen und Freunden erlebt hatten und wir uns beschenkt fühlen durch diese Feste der Freundschaft:

      drei Abende voller kreativem Tanz
      als Geschenk an uns und unsere Gäste.

* Nachtrag: Playlist hier

** Nachtrag: Erstmals geschrieben über meine Idee einer Veranstaltung, bei der Tango- und Contango-Tänzer*innen einander begegnen und miteinander tanzen, habe ich hier.

* Herzlichen Dank an die fiktive Journalistin Marie Luh
für ihren fiktiven Bericht über ein fiktives Gespräch

 

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